Marie Juchacz - die erste Frau am Rednerpult in einem deutschen Parlament

Es ist ein historischer Moment, als Marie Juchacz am 19. Februar 1919 ans Rednerpult der deutschen Nationalversammlung im Weimarer Nationaltheater tritt. Zum ersten Mal spricht eine Frau in einem deutschen Parlament. Zusammen mit 36 weiteren Frauen gehört die damals 40-jährige Sozialreformerin und Frauenrechtlerin zu den ersten weiblichen Abgeordneten in Deutschland. Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs war den Frauen das Wahlrecht zugestanden worden.

Die erste Rednerin in der Weimarer Nationalversammlung bleibt allerdings weniger durch ihre weitere parlamentarische Arbeit in Erinnerung als vielmehr durch einen Verband, den sie am 13. Dezember 1919 gründet. Die Arbeiterwohlfahrt, auch AWO genannt, wird zu ihrem Lebenswerk. Unter dem Dach der SPD entstehen im ganzen Land Einrichtungen zur Linderung der Arbeiternot - Kurheime für Alkoholkranke, Altersheime für proletarische Rentner und Erholungslager für Kinder. Hilfe zur Selbsthilfe ist wie schon in den Kriegsjahren das Motto von Marie Juchacz' Engagement in der Sozialfürsorge. Die große Politik hinterlässt sie weiter den Männern.

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